Blüte – Die Reifephase beginnt
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Was in der Blüte passiert – und warum jede Woche zählt
Mit dem Ende der Vorblüte beginnt die eigentliche Blüte. Die Pflanze stellt das Höhenwachstum weitgehend ein und konzentriert ihre gesamte Energie auf die Entwicklung der Blüten. Aus den ersten Pistillen werden dichte Buds, die sich Woche für Woche mit Trichomen überziehen. Die Blüte ist die längste Phase im Anbau und gleichzeitig die, in der die meisten Fehler passieren – weil viele Anbauer die Pflanze jetzt sich selbst überlassen, anstatt sie aktiv zu begleiten.
Photoperiodische Sorten blühen je nach Genetik 8 bis 12 Wochen. Indica-dominante Sorten wie OG Kush Feminisiert oder Critical Kush Feminisiert sind oft nach 8 bis 9 Wochen erntereif. Sativa-dominante Sorten wie Purple Haze Feminisiert oder Chemdawg Feminisiert brauchen 10 bis 12 Wochen. Autoflower haben eine kürzere Blüte von 5 bis 7 Wochen, da ihre Gesamtentwicklung genetisch auf 60 bis 90 Tage begrenzt ist.
Wichtige Werte in der Blüte
| Parameter | Vorblüte (Woche 1–4) | Hauptblüte (Woche 5–6) | Spätblüte (Woche 7–9) |
|---|---|---|---|
| Temperatur | 22 bis 26 °C | 22 bis 25 °C | 20 bis 24 °C |
| Luftfeuchtigkeit | 45 bis 55 % | 40 bis 50 % | 35 bis 45 % |
| pH (Erde) | 6,2 bis 6,8 | 6,2 bis 6,8 | 6,2 bis 6,8 |
| pH (Kokos/Hydro) | 5,8 bis 6,2 | 5,8 bis 6,2 | 5,8 bis 6,2 |
| EC-Wert | 1,4 bis 1,8 mS/cm | 1,6 bis 2,0 mS/cm | 1,0 bis 1,4 mS/cm |
| Lichtplan Photo | 12/12 Stunden | 12/12 Stunden | 12/12 Stunden |
| Lichtabstand LED | 40 bis 50 cm | 35 bis 45 cm | 35 bis 45 cm |
Vorblüte: Woche 1 bis 4
Die ersten vier Wochen der Blüte sind eine Phase des Übergangs. Die Pflanze streckt sich noch leicht, bildet gleichzeitig an allen Nodien erste Blütenanlagen und beginnt, Energie in die Budentwicklung umzuleiten. Der Nährstoffbedarf ist in dieser Phase noch hoch, da die Pflanze gleichzeitig wächst und blüht. Stickstoff wird noch benötigt, aber der Anteil von Phosphor und Kalium sollte schrittweise erhöht werden.
Ab Woche 2 bis 3 sind die ersten Pistillen an allen Wachstumspunkten sichtbar. Die Buds sind noch klein und locker, die Trichomproduktion beginnt gerade erst. Das Aroma ist in dieser Phase noch schwach. Wer jetzt die Lampe zu nah hängt, riskiert Lichtverbrennungen an den Wipfeln, die in der Blüte schwerer zu beheben sind als in der vegetativen Phase.
Tipp: Den Lichtabstand in der Vorblüte etwas größer halten als in der Hauptblüte. Die Pflanze ist noch empfindlicher und die Buds noch nicht so dicht, dass sie maximale Lichtintensität brauchen. Erst ab Woche 3 bis 4 die Lampe schrittweise näher bringen.
Häufiger Fehler: Zu früh auf reinen Blütedünger umstellen und Stickstoff komplett weglassen. Die Pflanze braucht in den ersten zwei Wochen der Blüte noch Stickstoff für das Blattwachstum. Ein abrupter Wechsel führt zu Stickstoffmangel, der sich als Vergilbung der unteren Blätter zeigt und die Budentwicklung bremst.
Hauptblüte: Woche 5 und 6
Woche 5 und 6 sind die Phase der maximalen Budentwicklung. Die Buds nehmen stark an Volumen und Gewicht zu, die Trichomproduktion läuft auf Hochtouren und das Aroma wird deutlich intensiver. Der Nährstoffbedarf erreicht in dieser Phase seinen Höhepunkt. Der EC-Wert kann auf 1,6 bis 2,0 mS/cm angehoben werden, wenn die Pflanze keine Anzeichen von Nährstoffverbrennungen zeigt.
Die Luftfeuchtigkeit sollte jetzt auf 40 bis 50 % gesenkt werden. Die Buds werden dichter und das Risiko für Botrytis steigt. Wer die Luftfeuchtigkeit aus der frühen Blütephase beibehält, riskiert Schimmelbefall, der sich von innen im Bud entwickelt und oft erst sichtbar wird, wenn bereits große Teile befallen sind. Sorten wie Wedding Cake Feminisiert oder Girl Scout Cookies Feminisiert entwickeln in dieser Phase besonders dichte Buds und sind entsprechend anfälliger.
Tipp: In Woche 5 und 6 täglich die Buds auf Botrytis kontrollieren, besonders an Stellen, wo Äste eng zusammenstehen oder Blätter auf Buds liegen. Blätter, die direkt auf Buds aufliegen, entfernen, um die Luftzirkulation zu verbessern. Ein leistungsfähiger Abluftventilator ist in dieser Phase keine Option, sondern Pflicht.
Häufiger Fehler: Den EC-Wert zu stark erhöhen ohne die Pflanze zu beobachten. Braune Blattspitzen und -ränder sind das erste Zeichen für Nährstoffverbrennungen. Wenn diese auftreten, sofort den EC-Wert senken und mit klarem Wasser spülen. Ein zu hoher EC-Wert in der Hauptblüte schadet der Budqualität mehr als ein leicht zu niedriger.
Spätblüte: Woche 7 bis 9
Ab Woche 7 beginnt die Spätblüte. Die Buds reifen aus, die Trichome wechseln von klar zu trüb und beginnen, bernsteinfarben zu werden. Der Wasserverbrauch sinkt leicht, da die Pflanze weniger aktiv wächst. Der EC-Wert sollte jetzt schrittweise auf 1,0 bis 1,4 mS/cm gesenkt werden. Die Pflanze nimmt weniger Nährstoffe auf und ein zu hoher EC-Wert führt zu Salzansammlungen im Substrat und einem rauen Geschmack im Endprodukt.
Woche 8 ist für viele Indica-dominante Sorten bereits der optimale Erntezeitpunkt. Sorten wie Critical Kush Feminisiert oder Black Domina Feminisiert sind nach 8 Wochen Blüte in der Regel erntereif, wenn 70 bis 80 % der Trichome trüb sind. Woche 9 macht bei diesen Sorten oft den Unterschied zwischen einem energetischen und einem entspannenden, körperschweren Effekt – wer länger wartet, bekommt mehr bernsteinfarbene Trichome und damit mehr CBN.
Nicht jede Sorte ist nach 8 Wochen fertig. Sativa-dominante Sorten wie Purple Haze Feminisiert oder Chemdawg Feminisiert brauchen 10 bis 12 Wochen. Auch innerhalb derselben Sorte gibt es Unterschiede zwischen Phänotypen. Die Trichombeurteilung unter einer Lupe mit mindestens 60-facher Vergrößerung ist der einzig zuverlässige Weg, den richtigen Erntezeitpunkt zu bestimmen – Herstellerangaben zur Blütezeit sind Richtwerte, keine Garantien.
In den letzten 1 bis 2 Wochen vor der Ernte beginnen viele Anbauer mit dem sogenannten Flushing: Die Pflanze wird nur noch mit klarem, pH-korrigiertem Wasser gegossen, um überschüssige Nährstoffe aus dem Substrat zu waschen. Ob Flushing den Geschmack tatsächlich verbessert, ist unter Anbauern umstritten. In Kokos und Hydro, wo Nährstoffe schneller akkumulieren, ist es sinnvoller als in Erde.
Tipp: Kühlere Nachttemperaturen von 18 bis 20 °C in der Spätblüte fördern bei vielen Sorten die Anthocyanproduktion und damit lila und violette Farbtöne. Sorten wie Black Domina Feminisiert oder Cherry Pie Feminisiert entwickeln unter diesen Bedingungen besonders intensive Farben. Gleichzeitig senkt die kühlere Temperatur das Schimmelrisiko in der Spätblüte.
Häufiger Fehler: Zu früh ernten, weil die Herstellerangabe erreicht ist. Woche 8 ist ein Richtwert, kein Erntetermin. Wer ohne Lupe erntet, erntet in der Regel zu früh. Klare Trichome bedeuten, dass der THC-Gehalt noch nicht auf seinem Maximum ist. Trübe Trichome zeigen den Höhepunkt an. Bernsteinfarbene Trichome entstehen durch den Abbau von THC zu CBN – wer einen entspannenden Effekt möchte, wartet, bis 20 bis 30 % bernsteinfarben sind.
Erntereife erkennen – Trichome richtig beurteilen
Der zuverlässigste Weg, den richtigen Erntezeitpunkt zu bestimmen, ist die Beurteilung der Trichome unter einem Mikroskop oder einer Lupe mit mindestens 60-facher Vergrößerung. Trichome durchlaufen drei Stadien: klar, trüb und bernsteinfarben.
Klare Trichome bedeuten, dass die Pflanze noch nicht erntereif ist. Der THC-Gehalt ist noch nicht auf seinem Maximum. Trübe, milchige Trichome zeigen an, dass der THC-Gehalt seinen Höhepunkt erreicht hat. Das ist der Zeitpunkt für einen energetischen, klaren Effekt. Bernsteinfarbene Trichome entstehen durch den Abbau von THC zu CBN. Je mehr bernsteinfarbene Trichome vorhanden sind, desto sedierender und körperbetonter wird der Effekt.
Für die meisten Anbauer ist der optimale Erntezeitpunkt bei 70 bis 90 % trüben und 10 bis 30 % bernsteinfarbenen Trichomen. Wer einen energetischeren Effekt bevorzugt, erntet früher. Wer einen entspannenden, körperschweren Effekt möchte, wartet länger.
Gefahren in der Blüte
Botrytis ist die größte Gefahr in der Blüte. Der Grauschimmel befällt dichte Buds von innen und ist oft erst sichtbar, wenn bereits große Teile des Buds befallen sind. Regelmäßige Sichtkontrollen, besonders nach Regenperioden beim Outdoor-Anbau, sind Pflicht. Befallene Stellen sofort mit sauberen Scheren entfernen und Werkzeug desinfizieren.
Powdery Mildew, echter Mehltau, ist eine weitere häufige Bedrohung. Er zeigt sich als weißer, mehliger Belag auf den Blättern und breitet sich bei trockener Luft und schlechter Luftzirkulation schnell aus. Im Gegensatz zu Botrytis ist Mehltau auf den Blättern sichtbar, bevor er die Buds erreicht. Frühzeitiges Eingreifen mit Kaliumbicarbonat-Lösung oder Neemöl kann die Ausbreitung stoppen.
Schädliche Insekten wie Spinnmilben oder Thripse können in der Blüte erheblichen Schaden anrichten. Chemische Insektizide sollten in der Blüte nicht mehr eingesetzt werden. Biologische Alternativen wie Räubermilben oder Neemöl sind in den ersten Wochen der Blüte noch möglich, in der Spätblüte sollte auf Behandlungen verzichtet werden.
Häufige Fehler in der Blüte
Luftfeuchtigkeit zu hoch: Der häufigste Fehler in der Blüte. Botrytis entwickelt sich schnell und ist kaum rückzugängig zu machen. Luftentfeuchter und starke Abluft sind in der Spätblüte Pflicht.
Stickstoff nicht rechtzeitig reduziert: Wer bis in die Hauptblüte mit hohen Stickstoffgaben düngt, fördert Blattwachstum auf Kosten der Budentwicklung und verschlechtert den Geschmack.
Zu früh geerntet: Ungeduld ist der häufigste Grund für eine frühzeitige Ernte. Klare Trichome bedeuten, dass die Pflanze noch nicht fertig ist. Ohne Lupe oder Mikroskop ist eine zuverlässige Beurteilung nicht möglich.
Lichtplan unterbrochen: Auch in der Blüte gilt: Lichtlecks in der Dunkelphase können Hermaphroditismus auslösen. Das Zelt muss vollständig abgedichtet bleiben.
Keine Sichtkontrollen: Wer seine Pflanzen in der Blüte nicht regelmäßig kontrolliert, übersieht Botrytis, Schädlinge oder Nährstoffprobleme, bis es zu spät ist.
Häufige Fragen zur Blüte
Wie erkenne ich, dass meine Pflanze in der Blüte Stickstoffmangel hat? Stickstoffmangel in der Blüte zeigt sich als Vergilbung der unteren Blätter, die sich nach oben ausbreitet. In der Spätblüte ist ein leichtes Vergilben der unteren Blätter normal und ein Zeichen, dass die Pflanze ihre Nährstoffe in die Buds umlagert. Wenn die Vergilbung schnell voranschreitet und die mittleren Blätter erreicht, sollte der Stickstoffgehalt leicht erhöht werden.
Kann ich in der Blüte noch Blätter entfernen? Ja, gezieltes Entlauben ist in den ersten Wochen der Blüte noch sinnvoll, um den Lichteinfall auf die Buds zu verbessern. In der Spätblüte sollten keine großen Eingriffe mehr vorgenommen werden, da jeder Stress die Pflanze von der Budentwicklung ablenkt.
Warum riechen meine Buds kaum? Das Aroma entwickelt sich in der Regel ab Woche 3 bis 4 der Blüte. Wenn die Buds kurz vor der Ernte noch wenig riechen, kann das auf zu hohe Temperaturen, zu niedrige Luftfeuchtigkeit oder eine genetisch weniger aromastarke Sorte hinweisen. Das Aroma entwickelt sich beim Curing nach der Ernte weiter.
Wie viel Wasser braucht die Pflanze in der Blüte? Der Wasserverbrauch steigt in der Blüte deutlich an, da die Pflanze mehr Biomasse aufbaut. In der Spätblüte sinkt er wieder leicht. Die Topf-Methode bleibt zuverlässig: Topf anheben, bei leichtem Gewicht gießen. Das Substrat sollte zwischen den Gießgängen leicht antrocknen, aber nie vollständig austrocknen.
Was ist der Unterschied zwischen Blüte bei Autoflower und photoperiodischen Sorten? Autoflower haben eine kürzere Blüte von 5 bis 7 Wochen und reagieren nicht auf den Lichtplan. Sie blühen unabhängig von der Lichtdauer. Photoperiodische Sorten blühen nur bei 12/12 und haben mehr Zeit für die Budentwicklung, was in der Regel zu höheren Erträgen führt. Sorten wie Gorilla Glue Feminisiert oder Permanent Marker Feminisiert zeigen, was photoperiodische Genetik in der Blüte leisten kann.
Fazit – Geduld und Kontrolle entscheiden über die Ernte
Die Blüte belohnt Anbauer, die aktiv dabei bleiben. Wer die Luftfeuchtigkeit im Griff hat, die Nährstoffe rechtzeitig anpasst, regelmäßig kontrolliert und den richtigen Erntezeitpunkt anhand der Trichome bestimmt, wird mit dichten, aromatischen Buds belohnt. Woche 8 ist für viele Sorten ein guter Richtwert, aber Woche 9 macht bei manchen Sorten und Phänotypen den entscheidenden Unterschied in Qualität und Effekt. Wer die Pflanze jetzt sich selbst überlässt, riskiert Schimmel, Nährstoffprobleme und eine frühzeitige Ernte. Im nächsten Artikel geht es um die Ernte – Der richtige Zeitpunkt und die richtige Technik.