Anzuchtphase – Vom Keimling zur Jungpflanze
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Warum die Anzuchtphase so entscheidend ist
Die Anzuchtphase beginnt, sobald der Keimling die Erde durchbrochen hat. In den ersten 1–2 Wochen ist die Pflanze am verletzlichsten: Die Wurzeln sind noch klein, das Blattwerk minimal, und jeder Fehler bei Licht, Wasser oder Temperatur kann die Entwicklung dauerhaft bremsen. Gleichzeitig ist diese Phase der Grundstein für alles, was danach kommt. Wer hier sorgfältig arbeitet, wird in der vegetativen Phase und der Blüte belohnt.
Wichtige Werte in der Anzuchtphase
Temperatur: 22–26 °C | Luftfeuchtigkeit: 60–70 % | pH Erde: 6,0–6,5 | pH Kokos/Hydro: 5,8–6,2 | EC: 0,6–0,8 mS/cm | Lichtabstand LED: 50–70 cm
Optimale Bedingungen in der Anzuchtphase
- Temperatur: 22–26 °C. Unter 20 °C verlangsamt sich das Wachstum spürbar. Über 28 °C steigt der Stress für den Keimling.
- Luftfeuchtigkeit: 60–70 %. Keimlinge nehmen in dieser Phase noch viel Wasser über die Blätter auf – trockene Luft stresst sie und verlangsamt das Wachstum.
- Licht: Sanftes, diffuses Licht. Keine starken LEDs auf voller Leistung direkt über dem Keimling.
- Substrat: Leichte Anzuchterde oder Kokos-Perlite-Mischung. Keine nährstoffreiche Blumenerde – Keimlinge reagieren empfindlich auf Überdüngung.
- Belüftung: Leichter Luftzug stärkt den Stiel und beugt Schimmel vor. Ein kleiner Ventilator auf niedrigster Stufe genügt.
Beleuchtung in der Anzuchtphase
In der Anzuchtphase brauchen Pflanzen Licht, aber kein aggressives. Eine T5-Leuchtstoffröhre oder eine schwache LED auf großem Abstand (50–70 cm) ist ideal. Starke Grow-LEDs auf voller Leistung direkt über dem Keimling führen häufig zu Lichtverbrennungen oder übermäßiger Transpiration.
- Autoflower: 18–24 Stunden Licht täglich – dauerhaft.
- Photoperiodisch: 18 Stunden Licht, 6 Stunden Dunkel.
Wenn der Keimling sich stark in die Höhe streckt und dünn bleibt (Etiolierung), ist das ein klares Zeichen für zu wenig Licht. Die Lampe näher bringen oder die Leistung leicht erhöhen löst das Problem in der Regel schnell.
Gießen in der Anzuchtphase
Das Gießen ist in der Anzuchtphase der kritischste Faktor. Keimlinge haben ein sehr kleines Wurzelsystem, das nur einen Bruchteil des Topfvolumens erschlossen hat. Große Wassermengen können nicht aufgenommen werden und verbleiben im Substrat, wo sie Sauerstoff verdrängen und Wurzelfäule begünstigen.
Wann gießen?
Nur gießen, wenn das Substrat an der Oberfläche trocken ist. Den Topf anheben – fühlt er sich leicht an, darf gegossen werden. Diese Methode ist zuverlässiger als ein fester Gießrhythmus.
Wie viel gießen?
In der Anzuchtphase wird nur wenig und gezielt gegossen. Nicht den gesamten Topf durchtänken, sondern nur den Bereich direkt um die Pflanze herum befeuchten. Das animiert die Wurzeln, aktiv nach Wasser zu suchen und sich auszubreiten.
Anzeichen für Überguss
Hängende Blätter trotz feuchtem Substrat, dauerhaft nasse Erde, gelbliche Verfärbung der unteren Blätter oder ein modrig-säuerlicher Geruch aus dem Topf sind klare Warnsignale. Sofort mit dem Gießen aufhören und warten, bis das Substrat vollständig abgetrocknet ist.
Düngen in der Anzuchtphase
In den ersten 1–2 Wochen nach dem Keimen braucht der Keimling in der Regel keinen zusätzlichen Dünger. Gute Anzuchterde enthält genügend Nährstoffe für diesen Zeitraum. Zu frühes oder zu starkes Düngen führt zu Nährstoffverbrennungen, die sich als braune Blattspitzen oder -ränder zeigen.
Sobald die ersten echten Blätter erscheinen, kann mit sehr niedrig dosiertem Dünger begonnen werden – ca. 25–50 % der empfohlenen Dosis. Der EC-Wert sollte in dieser Phase nicht über 0,6–0,8 mS/cm liegen. Bei Kokos und Hydro muss früher mit Düngen begonnen werden, da das Medium selbst keine Nährstoffe enthält.
Autoflower vs. Photoperiodisch
Autoflower starten direkt nach dem Keimen in ihr genetisch festgelegtes Zeitfenster von 60–90 Tagen. Jeder Tag Stress kostet Endertrag. Autoflowers sollten nicht umgetopft werden – direkt in den finalen Topf (mindestens 7–11 Liter) keimen. Kein Training in den ersten 2–3 Wochen.
Photoperiodische Sorten haben deutlich mehr Flexibilität. Sie können in kleinen Anzuchttöpfen gestartet und nach 2–3 Wochen umgetopft werden. Stressphasen werden gut verkraftet, weil die Pflanze Zeit hat, sich zu erholen.
Häufige Fehler und wie du sie behebst
- Übergossen: Hängende Blätter, dauerhaft nasse Erde. Lösung: Gießintervall verlängern, für bessere Belüftung sorgen.
- Lichtverbrennungen: Blätter braun oder bleich an den Spitzen. Lösung: LED-Lampe höher hängen oder Leistung reduzieren.
- Strecken (Etiolierung): Stiel lang und dünn. Lösung: Lampe näher bringen oder Leistung erhöhen.
- Zu frühes Düngen: Braune Blattspitzen. Lösung: Dünger reduzieren oder weglassen, mit klarem Wasser spülen.
- Falscher pH: Nährstoffblockaden trotz ausreichend Dünger. Lösung: pH des Gießwassers messen und korrigieren.
Häufige Fragen zur Anzuchtphase
Wie lange dauert die Anzuchtphase?
In der Regel 1–3 Wochen – bis die ersten echten Blätter erscheinen und die Pflanze stabil steht.
Wann darf ich zum ersten Mal düngen?
Frühestens nach 1–2 Wochen, wenn die ersten echten Blätter sichtbar sind. Mit 25–50 % der empfohlenen Dosis starten.
Warum streckt sich mein Keimling so stark in die Höhe?
Zu wenig Licht. Lampe näher bringen oder Leistung leicht erhöhen.
Wie oft muss ich in der Anzuchtphase gießen?
Nicht nach Zeitplan, sondern nach Bedarf. Topf anheben – fühlt er sich leicht an, darf gegossen werden.
Wann ist die Anzuchtphase beendet?
Wenn die Pflanze 3–4 echte Blattpaare entwickelt hat, stabil steht und aktiv wächst. Ab diesem Punkt beginnt die vegetative Phase.
Fazit
Die Anzuchtphase ist kurz, aber entscheidend. Wer hier die Grundbedingungen stimmt – sanftes Licht, sparsames Gießen, kein übertriebenes Düngen und stabile Temperatur – legt den Grundstein für eine starke, gesunde Pflanze. Sobald die ersten echten Blätter erscheinen und die Pflanze stabil steht, beginnt die Vegetative Phase.